Direkt zum Inhalt
Mark Steinmann, aboutpixel.de

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht:
Vom Ausprobieren als Teil der Planung.

Der Franz Kafka zugeschriebene Satz „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ bietet ein hilfreiches Bild für berufliche Entscheidungen in der heutigen Welt. Denn er zeigt eine Notwendigkeit auf, um die wir oft nicht herumkommen: Wege vorerst einmal einschlagen, ausprobieren, aber immer mit der Freiheit, diese erwählte Richtung auch wieder zu verlassen. Denn durch bloßes Nachdenken allein, ohne Informationen aus konkreten Versuchen, bleiben kluge Entscheidungen meist aus. 

Berufsentscheidungen: Nachdenken reicht nicht aus, Ausprobieren ist wichtig!

Eine hochkomplexe Kultur mit stark diversifizierter Arbeitsteilung macht es praktisch unmöglich, persönliche Fragen nach dem individuell „richtigen“ Ort in der Berufswelt durch reines Überlegen hinreichend zu beantworten.

Genau davon gehen aber viele Menschen aus, die kurz nach Abschluss der Ausbildung oder auch später im Leben, oft ziemlich verunsichert, eine Laufbahnberatung aufsuchen. Weiterhin gehen große Gruppen, zB auch die Elterngeneration (die diesen Jungen dann manchmal gehörigen Druck macht) davon aus, man müsse sofort nach Studienende, idealerweise sogar schon davor, genau wissen, „was man möchte“.

Das ist in den meisten Fällen aber nicht möglich, da ein genaueres Bild, ein Verstehen der Berufswelt und eine realistische Selbsteinschätzung erst nach einigen Jahren Berufserfahrung entstehen (vorausgesetzt, man bewegt sich mit offenen Augen und geht nicht schon ab Berufsjahr Nr. 1 ausschließlich auf Nummer sicher). Anders ist das nur bei Menschen, die früh eine klare Begabung zeigen oder eine starke Neigung für eine bestimmte Richtung entwickeln, die sie weiter verfolgen möchten.

(Meiner Erfahrung nach sind diese Fälle nicht häufig. Weit verbreiteter sind Situationen, in denen der Beruf schlicht aus familiärer Prägung heraus ergriffen wird. Die Tätigkeit von Eltern und nahen Verwandten ist nun einmal greifbarer als alle anderen Möglichkeiten – Verfügbarkeitsheuristiken spielen bei Berufsentscheidungen eine große Rolle).

Mangelnde Erfahrung: Und die Katze beißt sich in den Schwanz

Wer wenig ausprobiert hat, weiß nicht, was ihm gefällt. Wer nicht weiß, was er mag, was ihn interessiert, worin er gut ist, tut sich mit Jobentscheidungen schwer. Und auch der Beraterin fehlt das berufsfbiografische Material, klare Hinweise auf Stärken und Motivatoren, die Basis jeglicher Karriereplanung. Laufbahnberatung mit jungen Menschen ist aus diesem Grunde ein äußerst fordernder Bereich.

Entscheiden macht erst dann sinn, wenn genügend Parameter bekannt sind

Ausprobieren. Das Wort hat etwas Leichtes. Etwas um des Tun willens tun, ohne dass daran Konsequenzen geknüpft sind. Man kann etwas tun, weiter tun oder auch wieder lassen. So spielerisch ist die Berufswelt hierzulande nicht. Für einen Job muss schon mehr sprechen, als dass man ihn ausprobieren will, klar. Aber man muss auch nicht wissen, ob man den Job ein Jahrzehnt lang machen will.

Je früher im Berufsleben, desto sinnvoller ist es, in kleineren Schritten zu denken. Es ist okay, eine Vision zu haben, aber man muss mit 25 nicht genau wissen, was man mit 35 machen wird. Erfahrungen machen und sie reflektieren. So entsteht fruchtbarer Boden für stimmige Entscheidungen. Fixe Parameter werden klarer, die Gleichung mit zu vielen Unbekannten aufgelockert.

Selbständige: Wege durch Gehen entstehen lassen

Auch für jene, die etwas ganz Eigenes schaffen, als Unternehmerinnen, Wissensarbeiter, Freelancer, in manchen freien Berufen oder in der Kunst, lässt das Zitat ein schönes Bild entstehen: Es gibt da eben keine fixen Trampelpfade, die man von A-Z nachspazieren kann. Man geht einen immer wieder einsamen Weg, der von Entscheidungen gesäumt ist, für die es oft keinen eindeutigen Rat von außen gibt.

Aber man geht. Frei und im weitesten Sinne kreativ. In die Wahlfreiheit wächst man hinein, und im Entscheiden entsteht durch Übung eine gewisse Souveränität.