Direkt zum Inhalt
IMG_20150816_092632

Weiterbildung: Notwendig, nützlich oder einfach horizonterweiternd?

Weiterbildungsentscheidungen sind ein häufiges Thema in der Karriereberatung. Hier einige Gedanken, die sich bereits hochqualifizierte Leute (Uni/FH-Studium oder vergleichbare Ausbildung mit Berufspraxis) in diesem Zusammenhang machen sollten:

Worum geht es Ihnen bei der angestrebten Ausbildung? Welche Motive stecken dahinter?

Denken Sie an interessante Seminare, das Kennenlernen neuer Leute oder auch an eine Gelegenheit, Lernen endlich einmal in einer wertschätzenden Atmosphäre zu erleben? Oder geht es Ihnen tatsächlich um eine konkrete Verbesserung Ihrer Jobchancen?

Weiterbildung kann aus unterschiedlichsten Motiven heraus angestrebt werden. Und sie sind alle legitim: Warum sollen Sie nicht um des Lernen willens lernen dürfen? Warum nicht ab und zu einen Ausbruch aus dem drögen Arbeitsalltag oder der Karenz machen, noch dazu einen nützlichen, schließlich lernt man ja was dabei?

Viele wollen sich mit Lernen selbst etwas Gutes tun – Erwachsenenbildung kommt diesen Bedürfnissen oft durch einen gewissen Eventcharakter entgegen, und das ist auch völlig in Ordnung. Nur: Machen Sie sich Ihre Motivation bewusst.Und wählen Sie Ihre Fortbildung dementsprechend aus, sonst ist die Enttäuschung irgendwann vorprogrammiert.

Es macht keineswegs jede Fortbildung „fit für den Arbeitsmarkt“, und auch ein beruflicher Aufstieg rein durch eine weitere formale Qualifikation ist höchst unsicher. Bei Umorientierungen kann eine Weiterbildung im angestrebten Bereich wiederum entscheidend sein.

Wenn Fortbildung einen klaren beruflichen Vorteil bringen soll, muss genau geklärt werden, worin dieser Vorteil besteht und wie Sie ihn am Arbeitsmarkt zu verwerten gedenken (Wollen Sie sich spezialisieren, auf den neuesten Stand bringen, einen Branchenwechsel vorbereiten?) Je nach Zielsetzung ist meistens eine genaue Recherche von Markt und Mitbewerbern sinnvoll.

Im Coaching messe ich genau diesem Bereich besonderen Augenmerk bei, da er gerne vernachlässigt wird. Dabei wird die momentane Qualifikation genau mit den Erfordernissen am Markt und der Mitbewerbersituation abgeglichen. Oft kann der Prozess erst durch zusätzliche Eigenrecherche von Klienten befriedigend geschlossen werden, weil die Frage tief in fachliche Spezialgebiete hineingeht.

Stehen Sie vor einer schwierigen beruflichen Entscheidung und können Sie diese durch eine Ausbildung weiter nach hinten verschieben?

In diesem Fall sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass das Verschieben der Entscheidung diese nicht unbedingt erleichtert und vermutlich auch nicht löst. Das Aufschieben selbst kann jedoch eine Reihe von Umwegkosten und Selbstzweifel mit sich bringen.

Dabei sollten Sie auch ehrlich zu sich sein – wenden Sie die denn die Kenntnisse, die Sie bereits haben, schon genügend an? Wissen will rasch angewendet und nicht im dunklen Kämmerchen gehortet werden, denn dort verliert es schnell an Wert.

Keine Weiterbildung kann Netzwerke und Eigen-PR ersetzen

Stellen Sie sicher, dass Sie auch andere, ganz wesentliche Karrierehebel bewegen, vor allem den Aufbau und die Pflege Ihres Netzwerkes sowie alles, was unter „Vertrieb“ Ihrer Leistungen fällt – Erfolge sammeln und hervorheben, sichtbar sein, ein gewisses Selbstbewusstsein. Marketing in eigener Sache sozusagen.

Wer sich damit schwertut (und das sind meiner Erfahrung nach viele), sollte sich überlegen, ob er nicht lieber in diesen Bereich investiert als in die 99. Ausbildung nach Studienabschluss.