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Zuversichtlich – trotz hoher Arbeitslosenzahlen

Hohe Arbeitslosenzahlen lassen kaum jemanden kalt. Dazu kommt, dass wir durch die Medien ständig daran erinnert werden. Das wirkt wie ein negativer „primer“ (Erinnerungshilfe): Wir wissen nicht nur rational, dass der Arbeitsmakt nicht mehr der von früher ist, sondern das Unbewusste wird auch noch ständig an diese unangenehme Botschaft erinnert. So kann sich Angst so richtig tief einnisten.

Vorsicht, Angstfalle!

Seit einiger Zeit beobachte ich, dass auch Klienten mit ausgezeichneten Möglichkeiten am Markt Angstsymptome zeigen. Die Sorge verbreitet sich also und schwappt von denen, die real von Arbeitslosigkeit bedroht sind, über auf breite Schichten der Bevölkerung. Unbegründete Angst und falsch eingeschätzte Möglichkeiten können jedoch zu gravierenden Fehlern in der Karriereplanung führen.

Es ist dann meine Aufgabe, zB den gesuchten Spezialisten, die hoch leistungsfähige Assistentin mit Vorstandserfahrung oder das Ausnahme-Nachwuchstalent im Management nicht in die Angst-Falle tappen zu lassen. Diese Menschen dabei zu unterstützen, sich ihrer Fähigkeiten wirklich bewusst zu werden, sich optimal zu präsentieren und dann mit dem nötigen Selbstbewusstsein die verdiente Position zu ergattern, anstatt aus Sorge das erstbeste Angebot anzunehmen. Angst ist kein guter Ratgeber, wie wir wissen. Und: es gibt nach wie vor Bereiche und Nischen am Markt, in denen gute Chancen für diejenigen bestehen, die sie klar bedienen können.

Geringer Aussagewert von Statistiken für den Einzelnen

Die Berichterstattung über Arbeitslosigkeit ist oft so allgemein gehalten, dass es in den Köpfen der Menschen zu ungünstigen Schlüssen kommt – im Falle von Zahlen zum Arbeitsmarkt zB zu einem Fazit wie „es geht eh alles den Bach runter“.

Statistiken haben für das Individuum jedoch nur begrenzten Aussagewert und wollen richtig gelesen werden (in diesem Zusammenhang empfehle ich übrigens wärmstens die Bücher von Gerd Gigerenzer, Direktor des Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, zum richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken).

Eine neue, härtere Realität. Aber nicht alles ist schlecht!

Ja, der Arbeitsmarkt in Österreich ist nicht mehr so gemütlich wie noch vor einigen Jahren. Versorgungsnischen verschwinden, ebenso immer mehr jene Bereiche, in denen man die berühmte „ruhige Kugel“ schieben konnte. Leistungsanforderungen steigen laufend. Karrieren verlaufen häufig nicht mehr so linear wie früher. Jobwechsel und Perioden von Arbeitssuche werden sich vermehrt mit Beschäftigungszeiten abwechseln. Aufgrund der allgemeinen Anspannung wird häufiger intrigiert und auf wirklich unschöne Weise gemobbt. Wir sind in einer neuen, härteren Realität angelangt.

Dennoch sage ich den Leuten – und es ist mir ein Anliegen, das hier schriftlich darzulegen: Der Einzelne muss nicht den Markt und schon gar nicht die ganze Welt retten. Der Arbeitssuchende muss für sich einen Job finden, und nicht auch noch einen für alle anderen.Und das ist in vielen Fällen, die ich kenne und betreut habe, tatsächlich gelungen, obwohl es für die Betroffenen eine Weile subjektiv gar nicht gut ausgesehen hat.

Vergessen Sie die Zahlen! Es ist ganz wichtig, sich bei der Jobsuche mental loszumachen von Zahlen und Statistiken. Ich rate sogar zu einem ausgesuchten Tunnelblick, bei dem man ganz klar das Ziel fokussiert und alles zur Erreichung Mögliche tut (es gibt darüber hinaus eine Reihe anderer effektiver Mentaltechniken).

Was ist sonst noch hilfreich?

  • Möglichst wenig mit ängstlichen Menschen über Markt und Jobsuche reden (dazu gehören meist auch die eigenen Eltern).
  • Sich der eigenen Stärken klarer werden, systematisch nach vergangenen Erfolgen graben, sich diese immer wieder vor Augen halten und sie parat haben für Gespräche.
  • Hervorstechende Bewerbungsunterlagen erstellen und bei der Erstellung auch gleich an Selbstbewusstsein gewinnen.
  • Sich effektiv coachen lassen. Nur bei einem Coach bleiben, wo rasch ein Gefühl des Vertrauens entsteht und Fortschritte schnell greifbar werden. Ergänzend oder alternativ: Hervorragende Bücher über Karriereplanung lesen & anwenden.

Und was ist mit den anderen?

Was ist dann mit der Solidarität, fragen Sie jetzt vielleicht? Nun, wer einen Job gefunden hat, bekommt damit die Chance, Rückgrat zu beweisen, zB in dem er sich nicht an Mobbing, Ausgrenzung und psychischer Gewalt gegen Kollegen beteiligt. Man kann gut an der eigenen Laufbahn basteln, indem man sich aus negativem Lästern raushält und die ewig brodelnde Gerüchteküche in den Firmen ausblendet.

Damit hält man sich auch gleich die Ansteckung mit Angst ein wenig fern.