13.08.25

Verfasst von: Sonja Rieder

Lesezeit: ca. 9 min

Entscheidung zwischen Partnerschaft und Affäre: 3 wichtige Tipps für eine kluge Wahl

13.08.25

Verfasst von: Sonja Rieder

Lesezeit: ca. 9 min

Sonja Rieder Psychotherapeutin Paartherapeutin Coach
Sonja Rieder Psychotherapeutin Paartherapeutin Coach

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Entscheidung zwischen einer Trennung von der lange vertrauten Partnerperson und einem Affären-Aus fällt vielen enorm schwer. In den meisten Fällen wird eine Wahl jedoch früher oder später unvermeidbar.
  • „Ich liebe aber beide“ bekommt man da als Psychotherapeutin nicht selten zu hören. Qualvolle Pattsituationen ohne Entscheidung erstrecken sich manchmal über Jahre. Gefühle der Zuneigung können allerdings trügerisch sein.
  • Deshalb sollte vor der Entscheidung das Abflachen der größten Verliebtheit abgewartet werden.
  • Im Zentrum der Entscheidung sollte nicht die eine oder andere mögliche Partnerperson stehen, sondern jene Art von Leben, das man führen möchte. Dazu muss man allerdings wissen, was man sich selbst vom Leben wünscht.
  • Eine professionelle Begleitung solcher herausfordernder Entscheidungssituationen verhilft zu mehr Klarheit und Orientierung. Oft können unnötige Fehler dadurch vermieden werden.

Ich kann mich einfach nicht entscheiden! 3 wichtige Tipps für die Wahl zwischen Partnerschaft und Affäre

Du bist in Entscheidungsnot? Stehst zwischen zwei Menschen, die Du beide liebst – oder zumindest fühlt es sich so an?

Du weißt nicht, ob Du Deine Beziehung retten oder einen Neustart mit Deiner Affäre wagen sollst? Weil es für beide Optionen gute Gründe gibt?

Überblick:
In diesem Artikel zeige ich auf, warum aus Affären meist keine soliden Langzeitbeziehungen werden. Und gebe Dir 3 wichtige Tipps für den Entscheidungsprozess zwischen Partnerschaft und Affäre an die Hand, die Du unbedingt beachten solltest.

Eine Affären-Geschichte mit Trennung vorab

Folgende Story kam mir unlängst über meine Arbeit als Psychotherapeutin zu Ohren – ich gebe sie hier in abgewandelter Form wieder**. Sie illustriert, wie leicht aus einer Affäre hervorgegangene Beziehungen schief gehen können.

Nennen wir die Protagonistin Lena.

Lena steht für die vielen Susannes, Erikas und Miriams, für all die Herberts, Noahs und Michaels, die den Verheissungen einer heimlichen Liebe auf den Leim gegangen sind – und enttäuscht wurden.

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Lena ist Mitte 40, hat zwei Kinder und eine mittelmäßig laufende Ehe. Das Paar ist chronisch überlastet, ganz klassisch: zwei fordernde Berufe, Kinder, Katze und der ganze Käse.

Lena fühlt sich zunehmend einsam und ratlos. Gesprächsversuche mit ihrem Mann verlaufen im Sand. Da lernt sie über die Schule der Kinder einen Mann kennen – und beginnt eine Affäre mit ihm. Das Verhältnis fliegt auf, die Scheidung folgt ein Jahr darauf.

Die Liaison mit dem Affären-Mann geht in eine Beziehung über: Lena ist ja nun ganz frei für ihre neue Liebe. Man zieht zusammen („wenn schon, denn schon“), trotz Orga-Stress mit den verstörten Kindern. Und versucht, an die heissen Nächte der heimlichen Zeit anzuschließen.

Bald entpuppt sich diese neue Beziehung jedoch als Total-Flop: Der neue Mann ist Alkoholiker.

Seine Sucht konnte er in den Anfängen noch gut verbergen. Aber auf lange Sicht lässt sich so etwas nicht geheim halten. Der Knackpunkt für Lena ist weniger die Krankheit an sich, sondern seine Verweigerung von Behandlung. Liebevolles Konfrontieren, sachliche Erklärungen, Bitten, Flehen, Drohen – alles vergeblich.

Nun trennt sie sich auch von diesem Mann und steht mit ihren beiden Kindern als Alleinerzieherin da.

Nun ist ihr Leben komplizierter als jemals zuvor.
So hatte sie sich das nicht vorgestellt!

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Neue Liebe, neues Leben? Oder doch nur neue Probleme anstatt der alten?

Und die Moral von der Geschicht` ist…dass sie kein Einzelfall ist! Oft verläuft die Sache aber nicht ganz so krass.

In der häufigsten Version werden mit einer frischen Liebe einfach alte Probleme gegen neue eingetauscht.

Denn jede Beziehung bringt Schwierigkeiten mit sich – sie muss nur lange genug laufen. Mit jeder neuen Love-Story steigt also die Chance auf nie dagewesene Probleme!

Ob sich das Leben dadurch verbessert? Meistens nicht – vor allem, wenn Kinder im Spiel sind.

Denn dann ist der Weg zum dauerhaften Liebesglück sofort mit trennungsbelastetem Nachwuchs, Orga-Stress und finanziellen Fragen gepflastert.

3 Gründe, warum aus Seitensprüngen so oft keine soliden Langzeitbeziehungen werden

#1 Verliebtheit schränkt die Fähigkeit zu kritischem Denken ein (Quelle: dasgehirn.info) und verhindert, dass man den Affären-Mensch wirklich kennenlernt.

Das sorgt für häufige Aha-Erlebnisse, sobald man sich ganz „haben“ kann.

#2 Die Heimlichkeit des Fremdgehens verhindert echtes Kennenlernen. Affären sind ihrer Natur nach heimlich. In einem Versteck kann man aber vieles über den anderen nicht herausfinden: wie er sich in Gesellschaft verhält oder mit seinen Kindern. Wie sie die Beziehung zu Familie und Freunden gestaltet. Und so weiter.

#3 Der hohe Preis der neuen Beziehung (Trennung, Familienspaltung) schafft einen enormen Erfolgsdruck, dem die frische Liebe oft nicht standhält.

3 wichtige Tipps für Menschen in Situationen der Entscheidung zwischen Partnerschaft und Affäre

#1 Warte für eine kluge Entscheidung das Abflachen der größten Verliebtheit ab. Nur dann gewinnst Du freie Sicht.

Verliebtheit macht bekanntlich blind. Der niederländische Paar-Therapeut Alfons Vansteenwegen nennt sie eine „Augen-Krankheit“*: Wir sehen nur, was wir sehen wollen. Der Rest bleibt vernebelt.

Abwarten, beobachten und kluge Fragen stellen ist das A und O bei Affären, die vielleicht in eine Beziehung übergehen sollen. Für die man einen Ausbruch aus einer langen Beziehung wagen will.

Welcher Zeitraum ist realistisch, bis sich die Nebel der Verliebtheit lichten? Als grobe Faustregel gilt: mindestens eineinhalb bis zwei Jahre.

Wenn Du in dieser Phase aber nur wenig Zeit mit Deiner heimlichen Liebe verbringen konntest, wirst Du sie kaum wirklich kennengelernt haben. In diesem Fall gilt: weiter warten, beobachten und Tee trinken.

Es schreibt: Sonja Rieder, erfahrene Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Coach mit eigener Praxis zentral in Wien 7

#2 Du bist erst dann entscheidungsreif, wenn Du – Pi mal Daumen – zwei bis drei Auseinandersetzungen mit Deiner Affären-Person gemeistert hast

Erst dann weißt Du, wie Ihr Meinungsverschiedenheiten beilegt. Wie Ihr im Streit miteinander umgeht. Wie verhält sich der andere? Wie du selbst? Gefällt dir, was du wahrnimmst – bei Dir und Deinem Gegenüber?

Kommt Ihr wirklich zu Lösungen? Oder geht Ihr nach dem emotionalen Gewitter einfach zur Tagesordnung über, als wäre nichts gewesen?

Guter Sex in der Anfangsphase einer Beziehung kann beim Versöhnen richtig gut helfen.

So gut, dass Streit schon deshalb nicht schlimm ist, weil es nachher richtig schön wird. Auf eines kannst Du Dich allerdings verlassen: Das bleibt nicht so!

Schaue lieber auf die Qualität Eurer Auseinandersetzungen. Daraus kannst Du wichtige Schlüsse ziehen: auf Eure Gesprächstiefe, aber auch auf Charakter und Persönlichkeitsstil Deines Affären-Menschen.

Der wird sich nämlich nicht ändern. Euer Sexleben hingegen schon.

#3 Entscheide Dich nicht für eine Person, sondern für eine bestimmte Art von Leben. Und zwar für das Leben, das DU führen willst!

Dafür musst Du allerdings die Lebensart des anderen gut kennen.

Und auch wissen, wie Du leben möchtest!

Man sollte also nicht nur die andere Person gut kennen, sondern auch sich selbst: eigene Vorstellungen vom Leben, Wünsche, Sehnsüchte, Perspektiven.

Oft dienen Affären übrigens dazu, eben das herauszufinden. Und wenn es mal klar ist, braucht es die Fremdliebe oft gar nicht mehr.

Frage Dich immer wieder:

  • Wie wird Dein Leben an der Seite einer alleinerziehenden Mutter aussehen, die ständig in Streitereien um Alimente mit ihrem Ex-Mann verwickelt ist?
  • Wie wird sich das Leben mit einem Mann entwickeln, für den seine Kinder immer an erster Stelle stehen? Und der nach seiner Scheidung noch mehr arbeiten muss als vorher?

  • Willst Du wirklich in einem Container-Schiff den Atlantik überqueren, einen Fitness-Urlaub nach dem anderen machen oder auf einen Selbstversorger-Trip im Tiny House gehen? Bist Du bereit, das Leben und den Alltag Deiner neuen Flamme wirklich zu teilen?

  • Hast Du ehrlich Lust auf das Leben in einer Patchwork-Familie?

Wie sehen Deine Träume für Dein weiteres Leben aus? Und wie machen sie sich neben den Vorstellungen Deiner neuen Liebe?

Bleibe realistisch. Es ist nicht alles so rosig, wie wir uns Dinge in der Verliebtheit ausmalen. Die allermeisten Dinge im Leben haben einen Preis. Und der zeigt sich erst im Verlauf der Zeit.

Kluge Entscheidungen sind immer das Ergebnis eines gut gestalteten Prozesses. Brich Deine Partnerwahl nicht einfach übers Knie!

*Buchempfehlung:
Alfons Vansteenwegen: Bevor die Liebe Alltag wird. Anregungen für eine gelungene Partnerschaft. Carl Auer Verlag 2007 (Werbung). Die Lektüre gibt Anregungen, wie man die Beziehung, die man schon immer haben wollte, mit dem Partner hinbekommt, den man bereits hat.

**In meiner Arbeit achte ich stets darauf, die Privatsphäre meiner Klient*innen zu schützen – dazu bin ich auch gesetzlich verpflichtet. Namen und Details werden sorgsam verändert, sodass Erfahrungen geteilt werden können, ohne die Anonymität zu gefährden.

Über mich: Psychotherapeutin Mag. Sonja Rieder, MSc

Ich bin Sonja Rieder, erfahrene Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Coach - seit 2008 mit eigener Praxis zentral in Wien.

Seit vielen Jahren begleite ich Frauen und Männer bei privaten und beruflichen Themen - empathisch, lösungsorientiert und ohne zu urteilen.

Ein traumasensibler Blickwinkel ist mir dabei ganz wichtig - auch in meiner Arbeit mit Paaren.

Gerne begleite ich Sie in meiner Wiener Praxis oder online bei Ihren Fragestellungen. Mehr Infos zu mir gibt es hier.

Die Motivation für diesen Blog? Mein Wissen über Beziehungen, Liebesfähigkeit und Verletzung möglichst vielen Menschen zukommen zu lassen.

Weil Liebe das ist, woraus wir gemacht und wofür wir hier sind.

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