26.12.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 8 min
Notwendige Voraussetzungen für eine Paartherapie: Selbstreflexion, Empathie und Verantwortung
Eine Paartherapie ist kein Zaubertrick. Sie kann nur helfen, wenn beide Partnerpersonen 3 Voraussetzungen mitbringen: die Bereitschaft zu Selbstreflexion und Verantwortungsübernahme sowie die Fähigkeit zur Empathie.
26.12.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 8 min


Inhaltsverzeichnis
- Warum Paartherapie kein Zaubertrick ist – und magische Momente dennoch möglich sind
- Notwendige Voraussetzungen für eine Paartherapie: Selbstreflexion, Empathie & Verantwortung
- #1 Bereitschaft zur Selbstreflexion
- #2 Wille und Fähigkeit zur Empathie
- #3 Die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen
- „Immer machst du alles falsch“: Eine Geschichte aus meiner therapeutischen Praxis
- Weitere Blog-Beiträge
Warum Paartherapie kein Zaubertrick ist – und magische Momente dennoch möglich sind
Es gibt notwendige Voraussetzungen für eine Paartherapie – bei beiden Partnerpersonen.
Das scheint allgemein wenig bekannt zu sein. Denn immer wieder hört man, Paartherapie habe in dem einen oder anderen Fall nicht geholfen. Vollkommen richtig: Paartherapie hilft nicht immer, eine Beziehung zu retten!
Die Wahrheit dahinter: Es muss nicht am Therapeuten liegen. Wenn nur eine der beiden Partnerpersonen keine ehrliche Motivation mitbringt oder kaum empathiefähig ist, kann die begabteste Therapeutin der Welt nichts ausrichten – außer die Hoffnungslosigkeit zu verkünden.
Es gibt leider kein Heilsformat, bei dem sich das Gute quasi „von oben“ über zwei Menschen ergießt und alles Schwierige wegmacht – am besten in einer einzigen Sitzung.
Was für eine verführerische Vorstellung: eine Therapeutin schwenkt ihren Zauberstab über zwei gesenkten Häuptern und murmelt: Abrakadabra, werdet wieder heil!
Simsalabim, und jetzt versteht Euch wieder!

Nein, leider – so funktioniert es nicht. Niemand hat jemals ein Paar geheilt oder gerettet.
Wir Therapeut*innen begleiten und unterstützen, nicht mehr und nicht weniger. Und diese Unterstützung kann einen großen Unterschied machen. Ein gut angeleitetes Paar heilt sich selbst – durch wachsende Offenheit und den beiderseitigen Mut, eigene hinderliche Muster unter die Lupe zu nehmen. Durch wachsendes Mitgefühl füreinander und einen Verzicht auf`s Rechthaben.
Das ist oft harte innere Arbeit – und sehr anstrengend.
Die mögliche Belohnung besteht darin, dass die Paarbeziehung besser wird – und zwei Menschen über sich hinauswachsen. Manchmal sogar mehr, als es in einer Einzeltherapie möglich wäre (in einer guten Paartherapie gibt es kein Ausweichen!).
Dann, ja dann entsteht manchmal echte Magie in meinem Wiener Praxisraum. Es ist bewegend, wenn sich zwei Menschen wieder miteinander verbinden und weich werden. Dafür lohnt sich fast jede Anstrengung.

Notwendige Voraussetzungen für eine Paartherapie: Selbstreflexion, Empathie & Verantwortung
Leider ist es nicht immer möglich, das mit der wachsenden Verbundenheit hinzukriegen.
Denn diese entsteht nicht durch mich, die Therapeutin, sondern weil beide Partnerpersonen mutige Schritte der inneren Öffnung vollziehen. Meine Präsenz und Anleitung hilft – aber das Entscheidende kommt immer vom Paar selbst.
Sternstunden bleiben jenen Paaren vorbehalten, wo beide Seiten bereit sind, ein inneres Risiko einzugehen. Es ist halt wie auch sonst im Leben: die wirklich guten Dinge bekommt man nur, wenn man etwas riskiert. Wenn man selbst dazu bereit ist, etwas zu geben – und nicht einfach nur vom anderen verlangt.
Du fragst dich, ob Paartherapie Euch helfen könnte? Ihr überlegt, ob es die Investition wert sein wird – Zeit und Geld sind ohnehin knapp?
Hier findest Du 3 notwendige Grundbedingungen, damit eine Paartherapie überhaupt sinnvoll und empfehlenswert ist.
Das Wichtigste dabei: BEIDE Partnerpersonen müssen ALLE 3 BEDINGUNGEN erfüllen. Keiner kann auch nur eine davon für den anderen ersetzen.
Und es wird auch nicht reichen, Bereitschaft vorzuspielen. Denn Als-ob-Ansagen verraten sich oft selbst – indem man die Person dahinter nicht spürt.

#1 Bereitschaft zur Selbstreflexion
Beide Partnerpersonen müssen bereit sein, nach innen zu blicken. Im Idealfall bringen sie sogar richtige Neugier auf sich selbst mit (diese optimale Ausgangslage ist leider selten).
Sie müssen den Willen aufbringen, ihre eigene innere Landkarte zu erkunden. Den Mut zeigen, eigene Begrenzungen aufzuspüren – und sich damit zu konfrontieren.
Es geht darum, Positives zu würdigen – und Alternativen für hinderliche Muster zu finden. Dabei dürfen Trauma und Schmerz ihren Platz bekommen, Wunden anerkannt und versorgt werden.
Wer davon ausgeht, dass er selbst keinerlei Anteil an den Schwierigkeiten in einer Beziehung hat, ist nicht bereit für eine Paartherapie.
Wer meint, dass es in einer Therapie darum geht, die Partnerperson zu „reparieren“, hat das Konzept dahinter nicht verstanden.

#2 Wille und Fähigkeit zur Empathie
Beide Personen in der Beziehung müssen zur Empathie für den anderen fähig sein. Sie müssen in der Lage sein, sich in die Empfindungen, Gefühle, Gedanken und Perspektiven des Gegenübers hineinzuversetzen.
Rein kognitive Empathie, also die Fähigkeit, die Sichtweise der anderen Person nachzuvollziehen, reicht hier meist nicht. Es braucht auch emotionale Empathie: die Fähigkeit, innere Empfindungen des anderen mitzufühlen und daran Anteil zu nehmen. Die Bereitschaft, die eigene Version der Geschichte zurückzustellen und wirklich zuzuhören.
Allein dieser Aspekt des tiefen Mitschwingens kann unglaublich heilsam wirken – ohne dass irgendein Konflikt dadurch gelöst wird.
#3 Die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen
Beide Partnerpersonen müssen die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen – und anerkennen, was sie dadurch auslösen. Worte und Taten haben eine bestimmte Wirkung auf die Beziehung.
Und beide Seiten müssen sich verantwortlich für ihren Teil an der gewünschten Veränderung zeigen. Wer nur wartet, dass der andere beginnt, blockiert jeglichen Fortschritt.
Beziehungen sind ein lebendiges System, das einen Beitrag von beiden Seiten braucht – und kein Ping-Pong, bei dem der gewinnt, der den Ball am besten zurückschießt.

„Immer machst du alles falsch“: Eine Geschichte aus meiner therapeutischen Praxis
Meine Klientin Ivana*, Anfang 40, ist verzweifelt – die Beziehung zu ihrem Mann Robert* wird immer belastender. Dieser beschimpft Ivana regelmäßig, bezeichnet sie als „gestört“ und „psycho“ und macht sie auch vor den gemeinsamen Zwillingstöchtern runter. Sie sei schuld an allen Problemen in der Beziehung. Eine Trennung als Ausweg möchte er aber nicht besprechen – schließlich dürfe man das den beiden Töchtern nicht antun. Wie es Ivana geht, spielt keinerlei Rolle.
Ivana hat mittlerweile Panikattacken entwickelt und leidet an massiven Selbstzweifeln. Auf ihren Vorschlag einer Paartherapie antwortete Robert: „Gerne, dann kapierst du endlich einmal, dass DU das Problem bist.“
Ich denke, solche Aussagen stehen für sich und benötigen keinen Kommentar.
Wer keinerlei Verantwortung für seinen Anteil an einer schwierigen Beziehungsdynamik übernehmen möchte, sollte sich und allen Beteiligten eine Paartherapie sparen.
Was immer dort geschehen könnte – es wird nicht therapeutisch wirken.
Konkret habe ich Ivana von einem derartigen Versuch dringend abgeraten – und ihr stattdessen eine anwaltlichen Beratung empfohlen: damit sie weiß, wie ihre rechtlichen Möglichkeiten im Falle einer Trennung aussehen.
* Ich achte stets darauf, die Privatsphäre meiner Klient*innen zu schützen – dazu bin ich als Psychotherapeutin auch gesetzlich verpflichtet. Es gilt die absolute und strengste Verschwiegenheitspflicht aller Gesundheitsberufe in Österreich gem. §15 PthG – Psychotherapiegesetz). In allen Geschichten aus meiner Praxis werden deshalb Namen und Details stark verändert. Oft kombiniere ich auch Elemente unterschiedlicher Fälle in einer Hybrid-Persona.
Rückschlüsse auf individuelle Personen sind ausgeschlossen. Die Essenz der geteilten Erfahrungen ist jedoch echt und tatsächlich erlebt.
Fotocredits – Beitragsbild: Fotografie Martin Jordan. Artikelbilder: Anna Storsul, Etienne Boulanger, Getty Images for Unsplash
Wen könnte dieser Artikel ebenfalls interessieren? Teile ihn gern weiter!










