08.05.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 3 min
Frühe Wunden und die Liebe
08.05.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 3 min


Schwierige frühe Bindungserfahrungen erschweren das spätere Lieben
Nicht jedes vernachlässigte Kind entwickelt eine Posttraumatische Belastungsstörung, nicht jeder geschlagene Jugendliche Angst und Depression.
Aber in den Liebesbeziehungen zeigt sich sehr sehr oft, wie Menschen aufgewachsen sind. Je schwieriger es war, desto mehr muss sich der Mensch seine Liebesfähigkeit erst erarbeiten.
Schwierigkeiten im Lieben können an der Oberfläche ganz unterschiedlich aussehen:
Viele kurze Beziehungen, rasch hintereinander – oder gar keine. Niemand scheint zu „passen“.
Viel Sex, wahlloser, oberflächlicher Sex, oder keiner.
Das Vermeiden von Nähe, von Intimität in der Beziehung – wodurch sich das Ganze dann bald leer oder langweilig anfühlt. Aktionismus, ständig „etwas tun“ müssen, auch zu zweit – und damit wiederum Nähe vermeiden.
Klammern, aus Angst vor dem Verlassenwerden. Selbst verlassen, damit es gar nicht erst möglich wird, verlassen zu werden.

Sich nicht einlassen wollen oder können. Abhauen, wann es ernst wird. Die Reißleine ziehen, wenn das Gegenüber echtes Interesse zeigt.
Mit einem zusammenzubleiben, der einem nicht gut tut. Von einer nicht loskommen, die einen ständig runtermacht.
Die eigenen Grenzen nicht wahren können, sich viel zu viel gefallen lassen. Oder nur an sich denken und das eigene Ego füttern. Auch Fremdgehen kann mit frühen Wunden zusammenhängen.
So vielgestaltig sich die Liebesprobleme darstellen, so ähnlich sind ihre Wurzeln: Unverarbeitetes Trauma – vor allem Bindungstrauma – beeinflusst die Liebesfähigkeit auf negative Weise. Die subtilen Zusammenhänge erkennen die allermeisten Menschen nicht.
Wird nicht die Liebe schon alles richten? So wie in Hollywood?
Nein, das tut „die Liebe“ in aller Regel nicht. Denn sie allein reicht nicht. Gelingende Beziehungen erfordern eine Menge soft skills, Offenheit, die Fähigkeit, sich selbst gut zu regulieren und Bewusstheit gegenüber den eigenen Verletzungen.
Heilung ist in den meisten Fällen möglich, geschieht aber gewöhnlich nicht von allein. Manchmal hilft eine Paartherapie weiter, in vielen Fällen ist eine Begleitung in Einzeltherapie oder im Einzel-Coaching der passende Weg.
* Name geändert. Sämtliche porträtierten Individuen und Fallgeschichten wurden aus Gründen der Verschwiegenheit sorgfältig verfremdet und Umstände soweit verändert, dass ein Rückschluss auf reale Personen unmöglich ist.
Sollte jemandem eine Fallgeschichte dennoch bekannt vorkommen, liegt dies vermutlich darin begründet, dass die von mir beschriebenen Inhalte sehr häufig vorkommen.
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