06.05.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 4 min
Tiefe Verliebtheit – einfach nur schön oder Warnsignal?
06.05.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 4 min


Vom Unterschied zwischen normaler Verliebtheit und ähnlichen Gefühlen in toxischen Beziehungen
Soll mich auf diesen neuen Mann einlassen? Ist meine heftige Verliebtheit überhaupt ein gutes Zeichen? fragt mich eine Klientin Anfang zwanzig* (Individualität, Umstände & Details verändert).
Sie hat gerade eine schwierige Beziehung hinter sich gebracht, aus der sie sich nur langsam und unter heftigen Schmerzen befreien konnte.
Letztendlich schaffte sie es, mehr und mehr zu sich selbst zu stehen und gelten zu lassen, was sie selbst brauchte. Was sie selbst sich wünschte.
Irgendwann konnte sie der Tatsache ins Auge sehen, dass sie das in dieser Beziehung niemals erhalten würde. Das fand ich mutig von ihr – und gut, trotz Tal der Tränen, das sie langsam durchschritt. Sie trennte sich.
Einige Monate später fragt sie sich: Wie kann ich den Mut aufbringen, mich wieder tief auf einen Menschen einzulassen?
Wie weit darf ich mich wieder verlieben? Oder ist Verliebtheit etwa ein Warnsignal?
Mitnichten: tiefe, langgewachsene Liebe entsteht sehr oft auf der Basis anfänglicher Verliebtheit. Daran ist nichts falsch!
Verliebtheit als Geschenk der Natur, als biologischer Mechanismus im Gehirn bewirkt, dass wir nichts anderes wollen, als mit dem Menschen unserer Träume zu sein, am besten 24 Stunden am Tag.

Normale, gesunde Verliebtheit und der Irrtum der „toxischen“ Verliebtheit
Was meine Klientin in den Anfängen ihrer neuen, wohltuenden Beziehung zu unterscheiden lernte, war der Unterschied zwischen „normaler“ und „toxischer“ Verliebtheit.
Auch die „gesunde“ Verliebtheit bewirkt oft, dass Menschen kaum mehr schlafen oder essen können.
Aber sie schaltet das Gehirn nicht ganz aus: Auch wenn die Schmetterlinge im Bauch durcheinander wirbeln, bleibt eine gewisse Erdung erhalten.
Zumindest ein Bein bleibt am Boden.
Auch entwickeln sich gesunde Beziehungen meist langsamer und beständiger – trotz Verliebtheit.
Verliebtheit in Beziehungen, die nicht gut tun („toxische Verliebtheit“), lässt Menschen total abheben – in aller Regel ohne Verbindung zur Realität.
Viel eher gleicht sie einer Sucht, einer eigentümliche Aufregung – basierend auf Gefühlen von Angst und Unsicherheit.
Da werden wichtige Warnsignale übersehen, die einen eigentlich auf der Hut sein lassen müssten (die berühmten „red flags“).
Da werden Dinge nicht beachtet, die sofortige Schutzmaßnahmen erfordern würden (er/sie geht nicht auf dich ein, kritisiert ständig, wertet dich, deine Tun oder dein Umfeld ab usw.)
Regelmäßige Aufregung und eine Achterbahn der Gefühle führen mit der Zeit zu einer Art Sucht nach dem anderen, die destabilisiert.
Sie hat nichts mit normaler Verliebtheit zu tun, und erst recht nichts mit Liebe.
Beides voneinander zu unterscheiden – die „normale“ von der „toxischen“ Verliebtheit, ist ein wichtiger Meilenstein.
* Name geändert. Sämtliche porträtierten Individuen und Fallgeschichten wurden aus Gründen der Verschwiegenheit sorgfältig verfremdet und Umstände soweit verändert, dass ein Rückschluss auf reale Personen unmöglich ist.
Sollte jemandem eine Fallgeschichte dennoch bekannt vorkommen, liegt dies vermutlich darin begründet, dass die von mir beschriebenen Inhalte sehr häufig vorkommen.
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