01.07.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 5 min
Klarheit in der Beziehung: Was liebst Du an Deiner Partnerperson – und sie an Dir?
„Was lieben Sie eigentlich an Ihrem zukünftigen Mann?“ Eine Klientin konnte diese Frage nicht beantworten – und heiratete trotzdem. Zwei Jahre später war sie geschieden. Warum das Gefühl der Liebe allein oft nicht reicht und weshalb es für jedes Paar überlebenswichtig ist, das Verbindende im anderen immer wieder neu zu entdecken.
01.07.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 5 min


Was liebst Du an Deiner Partnerperson?
„Was lieben Sie eigentlich an dem Mann, den Sie bald heiraten werden?“, fragte ich vor längerer Zeit eine Klientin, die sich ihren Hochzeitsvorbereitungen mit großer Betriebsamkeit widmete – ganz so, wie es heute bei der ersten Ehe üblich ist:
Meine Frage konnte sie allerdings nicht wirklich beantworten. Und sie heiratete den Mann, von dem sie nicht wusste, was sie an ihm liebte.
Zwei Jahre später war sie geschieden.
Wenig später begleitete ich diese Frau als Therapeutin wieder ein Stück auf ihrem Weg. Sie wollte ihrem Leben eine gute neue Richtung geben – und verstehen, wie es zu der raschen Scheidung gekommen war.
Dabei verriet sie mir, dass sie meine Frage damals, vor der Hochzeit, „ziemlich fies“ gefunden hatte.
„Was lieben Sie an Ihrem zukünftigen Mann?“ So etwas fragt man doch nicht, hatte sie damals gedacht, völlig perplex. Es war doch Liebe im Spiel, das musste doch wohl reichen als Begründung!
War das nicht überhaupt die ultimative Antwort, die für sich steht? Der man nichts mehr hinzufügen muss? Sonst würde sie doch nicht heiraten!
Doch so einfach ist es nicht: Liebe als pauschale Antwort ist zu wenig. Auch wenn es Momente geben mag, in denen man das Gefühl hat, den anderen vollkommen zu lieben – quasi als Gesamtpaket.
Paare dürfen und sollen sich immer wieder auf die Suche danach machen, was sie in der Tiefe miteinander verbindet, worin ihre Liebe besteht. Welche Qualitäten sie hat, welche Farben, welche Temperatur. Worin die Herausforderungen liegen – und die Möglichkeiten.
Glückliche Paare halten ihre Verbindung für etwas ganz Besonderes – und sie wissen auch, warum!
Wissen, warum man sich für jemanden entscheidet: Erkenne das Schöne, Liebevolle
Bei jedem liebenden Paar findet sich eine andere, einzigartige Form.
Ob Du nun vorhast, den Bund fürs Leben zu schließen oder die Beziehung mit Deiner Partnerperson einfach noch bewusster leben möchtest:
Es ist hilfreich, Dich immer wieder zu fragen, was Du schön findest an Eurer Verbindung. Was daran nährt Dich, wärmt Dich, tröstet Dich? Oder hält Euch eher das Heitere und Unterhaltsame zusammen? Witzelt Ihr gerne miteinander? Baut Ihr Euch gegenseitig auf? Stärkt Ihr Euch gegenseitig im Leben?
Was ist da an Gutem – trotz aller Herausforderungen, die enge Beziehungen nun einmal auch mit sich bringen?
Es ist wichtig, sich diese Fragen immer wieder zu stellen.
Ganz besonders aber, wenn eine wichtige Entscheidung in Eurer Beziehung ansteht: Zusammenziehen, Heiraten, ein Kind zeugen. Ein gemeinsamer Umzug, der Verzicht auf berufliche Möglichkeiten oder langjährige Freundschaften.

Das Verbindende immer wieder bewusst machen
Sprich mit Deiner Partnerperson darüber, was Euch verbindet. Macht es Euch bewusst. Teilt es Euch mit, flüstert es Euch zu. Das wird Eure Verbindung stärken.
Wenn Paare nicht sagen können, was sie aneinander lieben, beginne ich als Paartherapeutin, sehr genau nachzufragen: Wie war der Anfang der Beziehung? Worin lag der Zauber? Was hat sich besonders angefühlt? Was hat zwei Menschen anfangs aneinander gefallen?
Und wo ist dieses Verbindende jetzt? Blitzt es manchmal noch auf, wenn auch selten? Wann war das und wie?
Viele Paare verlieren mit der Zeit ihre innere Verbindung – und fühlen sich irgendwann einsam miteinander. Diesen Zustand halten die meisten nicht allzu lange aus, und das Risiko für eine Außenbeziehung oder Affäre steigt. Mehr zum Zusammenhang zwischen Affären und Einsamkeit liest Du hier.
Paare, denen es gelingt, ihre Verbindung rechtzeitig wieder aufzunehmen und sie sich neu zu erkämpfen, vermeiden dadurch solche tiefen Vertrauenskrisen – weil es erst gar nicht so weit kommt.
Aber auch eine Verbindung, die verloren gegangen ist, lässt sich oft wieder herstellen. Einige Paare brauchen dafür allerdings Unterstützung – Paartherapie und Paarberatung können helfen!
Fazit: Liebe sehend, bewusst – nicht blind!
* Name geändert. Sämtliche porträtierten Individuen und Fallgeschichten wurden aus Gründen der Verschwiegenheit sorgfältig verfremdet und Umstände soweit verändert, dass ein Rückschluss auf reale Personen unmöglich ist.
Sollte jemandem eine Fallgeschichte dennoch bekannt vorkommen, liegt dies vermutlich darin begründet, dass die von mir beschriebenen Inhalte sehr häufig vorkommen.
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