09.11.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 5 min
Langeweile in der Beziehung? Tut mal eine Weile so, als hättet Ihr eine Affäre miteinander
09.11.25
Verfasst von: Sonja Rieder
Lesezeit: ca. 5 min


Paarbeziehungen können ablaufen wie das Datum am Joghurtbecher
Die meisten Paare sind chronisch überlastet, und das über viele Jahre. Ganz besonders solche mit Kindern.
Es gilt als Selbstverständlichkeit, „Kind und Karriere“ unter einen Hut zu bekommen. Das ist es in der Realität aber nicht. Was Familien hier leisten, ist enorm.
Aber die Sache hat gewöhnlich einen Preis: meist ist es die einstige Liebesbeziehung, die sich langsam verabschiedet. Ganz unspektakulär und auf leisen Sohlen.
Denn die Kinder sollen nicht leiden und im Job erscheint es nicht leistbar, kürzer zu treten.
Ich coache seit 20 Jahren Menschen bei ihren beruflichen Themen und kann anhand meiner Erfahrung sagen: Die Standards, der Erwartungsdruck im Beruf ist klar angestiegen – und steigt weiter und weiter.
Dennoch gibt ein Großteil meiner Coachees an, dass sie sich selbst den größten Druck machen. Das lässt darauf schließen, dass es in den meisten Fällen sehr wohl Spielraum gibt, um zu leben. Und aktiv zu lieben.

Schnell-Booster für vernachlässigte Beziehungen
Ich habe einen einfachen Vorschlag, wie Ihr Eurer langgewachsene Beziehung einen Boost versetzten könnt. Das heißt: Er klingt einfach, bringt aber doch einiges an Aufwand mit sich.
Es zahlt sich aber aus – das verspreche ich Euch.
Außer Ihr laboriert an tiefen Konflikten und schweren Differenzen in Eurer Beziehung. Wenn Vertrauen und Verbundenheit komplett über den Jordan sind, wird der Affären-Trick nicht greifen. Und sich wahrscheinlich sogar komisch oder unpassend anfühlen.
In dem Fall bitte: Ab in die Paar-Therapie. Nicht aufschieben! Damit professionelle Unterstützung für Paare greifen kann, muss sie rechtzeitig erfolgen.
Die großartige US-Sexualpädagogin Emily Nagoski schreibt:
„Vergessen Sie nicht, dass Paare, die über mehrere Jahrzehnte eine starke sexuelle Verbindung aufrechterhalten, nicht diejenigen sind, die sich nach Sex sehnen, sondern Freund*innen, die entscheiden, dass Sex in ihrer Beziehung wichtig ist.“(1)

Verhaltet Euch in Eurer Langzeit-Beziehung eine Weile so, als hättet Ihr eine Affäre miteinander!
Wie bitte?
Wie soll man sowas umsetzen wenn man zusammen wohnt? Und einen Bartstoppel und Haare der Partnerperson im Waschbecken täglich grüßen?
Keine Sorge, niemand muss gleich aus der Wohnung ausziehen. Obwohl: Treffen in einem Hotel (oder an anderen ungewöhnlichen Orten) sind absolut zu empfehlen!
Aber sonst macht Ihr so viel wie möglich genauso wie Fremdgehende. Für alle, die sich glücklich schätzen können und mit heimlicher Liebe keine Erfahrung haben, einige Vorschläge:
• Flirty Nachrichten: jederzeit willkommen!
• Zurechtmachen, bevor man sich sieht
• Berufliches ein Stück weit zurückschieben, vor allem am Abend
• Babysitter organisieren. Ausgehen. Kindern zumuten, dass Eltern Zeit füreinander brauchen. Denn wenn die Beziehung in die Brüche geht, sind Kinder die Haupt-Leidtragenden!
• Freie Zeiten einplanen, an denen Ihr neue Orte aufsucht. Oder einfach im Bett liegt – zum Haut-Spüren, ohne Erwartungsdruck hinsichtlich Sex
• Dinge ausprobieren, die Ihr noch nie zuvor miteinander gemacht habt
• Aufmerksamkeit, Blumen, Komplimente, kleine Geschenke
• Und so weiter – Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!
Es braucht nur einen Bruchteil des Aufwands, den Menschen beim Fremdgehen betreiben – und so manche müde Langzeitbeziehung kann frisch erblühen.
Ausprobieren, evaluieren – und dann integrieren
Probiert es aus! Und evaluiert danach: Was hat besonders gut getan? Was war weniger passend? Was davon möchtet Ihr in Euren Alltag hinüberretten?
Sind gemeinsame Wochenenden ohne Verpflichtungen eine Möglichkeit, wieder ähnliche Gefühle zu erleben?
Oder ist es mehr die eine Stunde am Abend? Oder sind es die aufmerksamen Textnachrichten untertags, die einen Unterschied machen?
Sich Aufmerksamkeit zu schenken, ist keine Raketen-Wissenschaft. Und zahlt sich aus!
Quellen:
(1) Nagoski, Emily (2024). Kommt zusammen. Die Kunst (und Wissenschaft!) sexuell erfüllter Beziehungen. München: Knaur, S. 65.
Beitragsbild: Martin Jordan Photography
Artikelbild 1: Andrik Langfield for Unsplash
Artikelbild 2: Pablo Heimplatz for Unsplash
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